Ich weiß geradenicht, wie es weitergehen soll

Ich habe bestimmt zehnmal angefangen, diesen ersten Eintrag zu schreiben und alles wieder gelöscht.

Nicht, weil ich nichts zu sagen habe. Eher weil gerade so viel in meinem Kopf ist, dass ich überhaupt nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Also fange ich einfach mit dem Satz an, der mein Leben gerade komplett auf den Kopf stellt:

Ich bin schwanger.

Es ist bestätigt.

Und selbst während ich diese Worte schreibe, fühlen sie sich irgendwie noch nicht real an. Ich sehe sie vor mir, ich kenne das Ergebnis und trotzdem scheint mein Kopf noch nicht ganz verstanden zu haben, was das eigentlich bedeutet.

Ich bin schwanger.

Eigentlich sind das Worte, die für viele Menschen mit Freude verbunden sind. Mit einem positiven Test, den man voller Aufregung in den Händen hält. Vielleicht mit Tränen, Umarmungen und Gedanken darüber, wie das Kinderzimmer irgendwann aussehen könnte.

Bei mir ist es gerade anders.

Da ist keine perfekte Situation. Kein sicherer Plan. Kein Moment, in dem ich einfach nur glücklich sein kann.

Da ist vor allem Angst.

Und dann ist da noch etwas, das alles gerade noch viel schwieriger macht:

Ich muss bis Ende dieser Woche aus meiner Wohnung raus.

Ich schreibe diesen Satz und frage mich selbst, wie das alles gleichzeitig passieren kann.

Vor ein paar Tagen bestand mein Leben noch aus anderen Sorgen. Und plötzlich sitze ich hier, weiß, dass in mir ein kleines Leben wächst, und habe gleichzeitig keine Ahnung, wo ich nächste Woche schlafen werde.

Das macht mir Angst.

Richtig Angst.

Ich wünschte, ich könnte jetzt schreiben, dass ich einen Plan habe. Dass ich schon weiß, wo ich unterkomme, wie es finanziell weitergeht und was ich jetzt wegen der Schwangerschaft machen werde.

Aber das wäre gelogen.

Ich weiß es nicht.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich diesen Blog anfange.

Ich möchte hier nicht so tun, als wäre mein Leben perfekt. Ich möchte keine Geschichte erzählen, in der immer alles schön aussieht und am Ende jedes Problems sofort eine Lösung wartet.

Mein Leben fühlt sich gerade überhaupt nicht schön oder geordnet an.

Es fühlt sich chaotisch an.

Seit ich weiß, dass ich schwanger bin

Seit der Bestätigung denke ich ständig nach.

Manchmal sitze ich einfach nur da und lege meine Hand auf meinen Bauch. Natürlich kann ich noch nichts spüren. Und trotzdem ist plötzlich dieses Wissen da:

Da ist jemand.

Da passiert gerade etwas in meinem Körper, während um mich herum gefühlt alles auseinanderfällt.

Dieser Gedanke macht etwas mit mir.

Manchmal bekomme ich Angst und denke: Wie soll ich das schaffen?

Dann gibt es aber auch diese ganz kurzen Momente, in denen etwas anderes durchkommt.

Ich weiß gar nicht, ob ich es schon Freude nennen kann.

Vielleicht ist es eher ein vorsichtiges Gefühl. Ein kleines Staunen. Der Gedanke daran, dass da tatsächlich ein kleines Wesen in mir wächst.

Und kurz danach kommen wieder tausend Fragen.

Wo werde ich wohnen?

Wie soll ich das alles bezahlen?

Was brauche ich jetzt überhaupt?

Was passiert in den nächsten Wochen?

Werde ich das schaffen?

Wie verändert sich mein Leben?

Und wahrscheinlich die größte Frage von allen:

Was mache ich jetzt?

Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so sehr das Bedürfnis gehabt, dass mir jemand einfach sagt: „Das ist jetzt der nächste Schritt.“

Nicht die nächsten zwanzig Schritte.

Nur einer.

Denn zwanzig schaffe ich gerade nicht.

Und dann verliere ich auch noch mein Zuhause

Eine Schwangerschaft allein wäre schon genug, um mein ganzes Leben einmal auf links zu drehen.

Aber gleichzeitig meine Wohnung verlassen zu müssen, macht die Situation für mich gerade unglaublich schwer.

Zuhause sollte doch eigentlich der Ort sein, an den man sich zurückziehen kann.

Die Tür zumachen.

Sich aufs Bett setzen.

Weinen, wenn man weinen muss.

Schlafen.

Nachdenken.

Sich irgendwie wieder sammeln.

Und ausgerechnet jetzt weiß ich nicht einmal, wo dieses Zuhause in ein paar Tagen sein wird.

Ich schaue meine Sachen an und denke darüber nach, was ich einpacken muss. Was mitkommt. Was irgendwo untergestellt werden kann. Was überhaupt wichtig ist.

Und währenddessen denke ich:

Du bist schwanger.

Dieser Gegensatz ist so verrückt.

Eigentlich möchte ich mich gerade mit meinem Körper beschäftigen. Mich informieren. Zur Ruhe kommen. Darüber nachdenken, was diese Schwangerschaft bedeutet.

Stattdessen muss ich überlegen, in welche Kartons meine Sachen kommen und wo ich am Ende der Woche hin soll.

Manchmal möchte ich einfach nur die Decke über den Kopf ziehen und für ein paar Stunden so tun, als wäre nichts davon passiert.

Aber wenn ich die Augen wieder aufmache, ist es natürlich immer noch da.

Die Schwangerschaft.

Die Wohnung.

Die Angst.

Die Unsicherheit.

Alles gleichzeitig.

Ich möchte hier nicht die Starke spielen

Vielleicht erwartet man in schwierigen Situationen immer, dass man stark sein muss.

„Du schaffst das.“

„Kopf hoch.“

„Irgendwie geht es immer weiter.“

Und ich weiß, dass solche Sätze meistens lieb gemeint sind.

Aber im Moment fühle ich mich nicht besonders stark.

Ich habe Angst.

Ich bin überfordert.

Ich weine.

Ich denke viel zu viel nach.

Manchmal male ich mir die schlimmsten Dinge aus und fünf Minuten später versuche ich wieder, mir selbst einzureden, dass ich irgendwie einen Weg finden werde.

Vielleicht bedeutet stark sein aber auch gar nicht, keine Angst zu haben.

Vielleicht bedeutet es manchmal nur, morgens trotzdem aufzustehen.

Einen Anruf zu machen.

Eine Tasche zu packen.

Nach Hilfe zu fragen.

Etwas zu essen.

Einen Termin wahrzunehmen.

Oder, so wie heute, einfach aufzuschreiben, was gerade in einem los ist.

Dann war ich heute vielleicht doch ein kleines bisschen stark.

Warum ich diesen Blog anfange

Ich weiß noch nicht genau, was aus diesem Blog werden wird.

Vielleicht wird er mein Tagebuch.

Vielleicht ein Ort, an dem ich meine Schwangerschaft festhalte.

Vielleicht schreibe ich über die schönen Momente, wenn sie kommen.

Aber ich möchte genauso über die beschissenen Tage schreiben.

Über Angst.

Über Geld.

Über Wohnungssuche.

Über die Momente, in denen ich nicht weiterweiß.

Über Entscheidungen.

Über kleine Fortschritte.

Und hoffentlich irgendwann auch darüber, dass Dinge, vor denen ich heute riesige Angst habe, doch irgendwie eine Lösung gefunden haben.

Ich möchte später zurücklesen können, wie alles angefangen hat.

Nicht geschönt.

Nicht perfekt formuliert.

Sondern so, wie es wirklich war.

Und die Wahrheit heute ist:

Ich bin schwanger und ich habe Angst.

Ich muss bis Ende der Woche aus meiner Wohnung und weiß gerade nicht, wie mein Leben in ein paar Tagen aussehen wird.

Das ist meine Realität.

Aber es ist hoffentlich nicht das Ende meiner Geschichte.

Es ist gerade einmal der Anfang.

Vielleicht muss ich heute noch nicht alles wissen

Das versuche ich mir immer wieder zu sagen.

Ich muss heute noch nicht wissen, wie mein ganzes Leben mit einem Kind aussehen wird.

Ich muss heute noch nicht alle Antworten haben.

Ich muss nicht heute schon wissen, wo ich in einem Jahr sein werde.

Gerade muss ich irgendwie diese Woche schaffen.

Ein Problem nach dem anderen.

Eine Entscheidung nach der anderen.

Ein Tag nach dem anderen.

Und wenn ein ganzer Tag zu viel ist, dann eben eine Stunde nach der anderen.

Ich darf Angst haben und trotzdem hoffen.

Ich darf mich auf dieses kleine Leben in mir freuen und gleichzeitig verzweifelt über meine Situation sein.

Diese Gefühle widersprechen sich vielleicht auf den ersten Blick, aber gerade gehören sie alle zu mir.

Vielleicht werde ich irgendwann hier sitzen, meinen Bauch spüren und diesen ersten Eintrag noch einmal lesen.

Vielleicht werde ich dann kaum glauben können, wie verzweifelt ich heute war.

Vielleicht werde ich denken:

Wenn du damals gewusst hättest, was noch alles kommt.

Ich hoffe sehr, dass ich diesen Satz irgendwann schreiben kann.

Bis dahin versuche ich nicht, die nächsten Monate auf einmal zu bewältigen.

Heute reicht heute.

Morgen kümmere ich mich um morgen.

Und irgendwo zwischen Kartons, Tränen, Angst und tausend Gedanken wächst gerade tatsächlich ein kleines Leben in mir.

Das macht mir Angst.

Aber wenn ich ganz tief in mich hineinhorche, ist da neben all der Angst noch etwas.

Etwas ganz Kleines.

Hoffnung.

Vielleicht reicht genau das für den Anfang.

Ich weiß nicht, wo ich nächste Woche sein werde.

Ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll.

Aber ich weiß jetzt, dass ich Mama werde.

Und während ich diese letzten Worte schreibe, kommen mir schon wieder die Tränen.

Diesmal weiß ich nicht einmal genau, ob vor Angst oder vor Freude.

Wahrscheinlich vor beidem.

Das hier ist Tag 1 meiner Geschichte.

Und ich hoffe, dass ich irgendwann zurückblicke und stolz darauf bin, dass ich trotz allem weitergemacht habe.